FREIBIER BEI BANH Mi STABLE

11.08.2016

In einer Zeit in der Hunger und Leid die Welt regiert, schafft es Berlin immer wieder mit free Drinks Aktionen etwas Liebe und Hoffnung zu verteilen. Montag 20Uhr. In einer Seitenstraße der Volksbühne, steht eine Menschentraube, welche die Volksbühne selbst zuletzt vor der Wende hatte. 

Niemand ist hier wegen irgendwelchen Theaterperformances, sondern wegen dem wichtigsten Berliner Kulturgut des 21.Jahrhunderts: Freibier. 

Zu verdanken haben wir das ganze einerseits Banh Mi Stable, welche das Freibier ausgegeben haben und dem fleißigen Bloomer Namens „Roy Wyn", der zur rechten Zeit einen Bloom erstellt hat. "Free Drink Event"-Bloomer hätten meiner Meinung nach eine Goldmedaillie verdient - oder wenigstens einen Verdienstorden - aber leider hatte er auf Bloom kein Profilbild eingestellt, weswegen ein Wiedererkennen vor Ort nicht möglich war. Außerdem hatte ich keinen Orden dabei - nächstes Mal aber.

Direkt vor dem Laden laufen Mitarbeiter herum und verteilen fleißig Tiger-Bier. Es gibt Eisbecken voller Bier, es gibt Kühlschränke voller Bier - jeder darf sich bedienen - den ganzen Abend lang.

Seitdem ich Bloom aktiv nutze hat mein gratis Alkohol Konsum drastisch zugenommen. Ich wollte eigentlich nur Fotos vor Ort machen, bin aber dann doch erst nach Hause nach dem 5ten Bier. Langsam weiß ich nicht worüber ich mir mehr Sorgen machen sollte: Eine dicke Bierplauze zu bekommen oder Alkoholiker zu werden. Berlin hat einfach zu viele Free Drink Events. 

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Und zu allem übel hat Banh Mi Stable auch den gesamten Abend über ihr Essen gratis ausgegeben. GRATIS ESSEN. Auch den ganzen Abend über. Gratis Getränke kann ich nachvollziehen: Da gibt es immer eine Biermarke (z.B. Tiger), welche gerne sich und ihren Namen (in dem Fall: Tiger) bei Events platzieren nur weil sie darauf spekulieren,  dass später irgendwelche unwichtigen Lifestyle Blogs kostenlos ihren Namen featuren, da sie über Free Drinks schreiben. Schwachsinn. Aber dass ein Restaurant festlich mit schwarzen Zahlen ihren Geschäftsauftakt startet ist bemerkenswert.

Ich drücke mich ins Restaurant rein - drinnen spielt eine Band Cover-Songs und einige eigene Songs (bzw Cover Songs die ich nicht kenne). Schöne Musik - auf dem Drumkit steht „Michael“ - keine Ahnung ob es der Name der Band ist oder ob der Drummer normalerweise als Freelance Drummer unterwegs ist.

Der Laden fühlt sich gemütlich an. Nicht sehr groß, weswegen die Schlange für das Essen auch raus bis in den Park führt. Der Größe habe ich es auch zu verdanken, dass ich direkt einen Banh in die Hand gedrückt bekomme, da das Personal denkt, ich wäre Teil der Schlange. Niemand sagt etwas, da wiederum jeder davon ausgeht, dass ich mit meiner Kamera zum Laden gehöre. 

Kameras bei Events dabei zu haben ist fast so gut wie Walkie Talkies auf Festivals.  

Auf dem Feel Festival hatte ich zB letztens beobachtet wie jemand Bier aus einer Bar geklaut hat und ihn darauf angesprochen. Mein Walkie Talkie erblickend hat er sich direkt vielmals entschuldigt und ich solle sein Bändchen doch bitte nicht abschneiden. Verwarnend habe ich ihm die Biere abgenommen und später selbst getrunken. Die 15€ Investition hat man nach dem dritten Festival wieder drin.

Vor Ort wurde ich jedoch öfters gefragt wofür ich die Fotos machen würde. Da vietnamesische Läden meistens auch nur vietnamesisches Personal haben, scheine ich für die Meisten wohl doch nicht automatisch zum Laden zu gehören. Purer Rassismus meiner Meinung nach.

Draußen vor der Tür treffe ich eine Doktorantin (Anna) aus Süd Bayern - wir philosophieren darüber was in dem Banh drin sein könnte. Fleisch/Tofu, Gurke, irgendwas. Keine Ahnung. Ein vietnamesischer Döner irgendwie. Sie erzählt mir, wie sie letztens ein verfaultes schwarzes Bein bei einem Patienten entfernen musste, weil sich tausende Maden bereits darin befanden haben.

Der Banh schmeckt mir.

Anna erzählt mir davon, dass sie das (Tiger-)Bier sehr gut findet, da es wirklich sehr schwach schmeckt und trotzdem 5,0% Alkohol besitzt. Dass sich wässriges vietnamesisches Bier besonders gut zum Betrinken eignet ist eigentlich seltsam, da Vietnamesen unter Alkoholdehydrogenase leiden. (Bedeutet: sie werden auch so überdurchschnittlich schnell dicht). 

Ob das der Grund dafür ist, warum es am Ende des Abends noch massig Bier übrig ist, weiß ich nicht. Sogar die Obdachlosen haben sich schlafen gelegt. Es passiert nicht oft, dass die Leute freiwillig keine Lust mehr auf Freibier und gratis Essen haben...vielleicht weil erst gerade Wochenende war und sich alle von ihrem Pegel erholen müssen. Die Einladung weiter zu ziehen in einen Weinladen lehne ich leider ab. Sonst werde ich noch fett. Oder Alkoholiker. Es ist auch erst Montag.