Pokémon go - Lockmodul Party

18.Juli 2016

<<WAS ZUVOR GESCHAH

Als ich Lisa kopfschüttelnd einen Bloom von einer Pokémon go Lockmodul Party im Volkspark zeige, fangen ihre Augen zu glänzen an - Diagnose: Pokémon go addicted. Sie also auch.

Es ist schon fast wie eine Zombie Epidemie. Nun gut, wir beschließen zur Lockmodul Party zu gehen. Wenn Lisa nicht auf den Rollen steht ist sie derzeit fulltime Pokétrainerin. Sie erzählt mir davon, dass sie Pokémons aus Eiern schlüpfen lassen kann, indem sie einfach random durch die Gegend läuft und sie ausbrütet.  Diese Tatsache erschwert unseren Weg: Sobald die App Serverprobleme hat halten wir an, da sonst Lisas Schritte nicht gezählt werden. Das gleiche gilt bei eingehenden Anrufen - Lisa bleibt einfach stehen. Sie gesteht mir, dass sie deshalb regelmäßig zu spät kommt. Denn: Jeder Meter der nicht aufgezeichnet wird, ist ein umsonst gelaufener Meter sagt sie.

Zwischendurch bringt Lisa ein Pikachu zur Welt. Endlich lohnt sich laufen. Am Park angekommen versuche ich den Bloom Standpunkt zu orten. Von mir kommt nur der Satz „ich hoffe die sind auf keinem Hügel“, worauf sich zwei Berghain-Typen vor uns umdrehen und direkt anfangen über das Lockmodul treffen zu sprechen. Warum sollte man auch sonst in den Volkspark gehen. Alle drei führen Insider Gespräche über keine Ahnung was. Wir biegen in den Volkspark ein, die Jungs laufen weiter Runden: Eier ausbrüten. Es ist absurd.

Lisa läuft im Park an Geburtstagsfeiern vorbei, an vollen Volleyballplätzen, kleinen Wasserfällen und Pfadfinder Festen. Es ist Sommer. Keine Ahnung ob sie irgendwas davon mitbekommen hat - Lisa hat wichtigeres zu tun: Sie ist auf der Suche nach einem Shiggy. Auf einmal laufen wir auf eine Menschentraube zu (ca. 300 Leute). Überall hängen Debitel Luftballons und Werbeanzeigen. Kurz dachte ich es handelt sich um einen Gewerkschaftsstreik, bis ich realisiere, dass Debitel die Party geraided hat um aus ihr eine fucking Promo Veranstaltung zu machen.

Ein fetter Kerl mit Skrillexfrisur, Goldkettchen und hauchdünnem Oberlippenbart versteigert Debitel-Smartphone-Akkus an die Leute, die den niedrigsten Akkustand besitzen. Der Kerl ist Team Rocket in Person. Um ihn herum stehen unmotivierte Promotion-Hostessen in Poketrainer Outfits mit Plüsch Pokémons in den Händen, welche sichtbar die Entscheidung damals nicht den Escort/Call Girl Weg eingeschlagen zu haben bereuen.

Am schlimmsten hat es aber einen Promoter erwischt, der vor Ort im Pikachu Kostüm posieren muss. Aus dem Grund sollte man nie bei Hostess Jobs verschlafen, sagt eine Pokétrainerin neben mir. 

Auf jeden Fall ging vor Ort nichts mehr - gar nichts. Alle Server down. Deutschland konnte sich nicht einloggen. Hunderte Nerds standen orientierungslos im Park und wussten nicht was sie machen sollen. Aber so recht wollte auch niemand Heim laufen - ist die Strecke doch zu wertvoll um Eier auszubrüten.

Also warten alle gefühlt drauf, dass die Japaner schlafen gehen und Server frei werden. Alle starren auf ihre Smartphones - ein paar sind auf eigens eingerichtete Webseiten, welche die aktuelle Serverauslastung von Pokémon Go anzeigen. Nach 20 Minuten schafft es ein pummeliger Kerl mit fettigen langen Haaren sich in den Server einzuloggen. Sein Freund ist davon so hart begeistert, dass er dieses Ereignis in die Menge schreit. Alle Leute applaudieren respektvoll -  Neid liegt in der Luft.

Der Kerl der sich eingeloggt hat schaut mit einem zufriedenem Strahlen auf sein iPhone - so als hätte er in seinem Leben alles richtig gemacht. Das war sein großer Moment. Meiner war es auf jeden Fall nicht. Ich habe Angst dass jeder Bloom in Pokémon Go abdriften wird.

Wir setzen uns zu einem Asiaten den ich bisher nur von Lieferando kenne. Der Asiate, der mir immer Essen vorbei bringt ist auch da. Ich zwinker ihm zu. Er ist irritiert - er kennt mich - aber weiß nicht woher. Schöner Moment.

Lisa öffnet Bloom: Die Hochschule der populären Künste stellt aus. Kunst, Getränke, Essen und Livemusik.

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