Rave am alten Frachter

19.Juli 2016

<<WAS ZUVOR GESCHAH

Irgendwann Abends vibriert wieder mein iPhone und eine Nachricht von Polizei Berlin poppt auf: Technorave auf einem alten Frachter - in Spandau. Wir torkeln aus der hdpk Richtung Bahn. Der Weg nach Spandau dauert ewig. Der Weg zum Wasser noch länger. Auf Bloom hat sich der Weg einfacher angefühlt. Spandau ist so weit im nirgendwo ich habe das Gefühl, dass Spandau der Ort ist an dem man gelangt, wenn man in Narnia in einen Schrank steigen würde. Unser Pegel hat derzeit den Punkt erreicht, dass wir vor einem Briefkasten halt machen, da er so aussieht, als wäre er ein Chinese mit einem großen Schneidezahn. Ben zwinkert Nici zu, indem er die Briefschlitze öffnet.

Wir laufen durch die Dunkelheit - noch nie war ich so unsicher ob der Bloom wirklich existiert. An dem Ort existieren nicht einmal Straßenlaternen. Wir schlüpfen durch einen Zaun und kommen ans Wasser. Die Bitte "leise durch das Gelände zu laufen" fällt uns etwas schwer - irgendwann hören wir Musik dröhnen.

Das Boot existiert!

Eine Frau ruft uns vom Boot aus zu wie wir drauf kommen und eh wir uns versehen befinden wir uns an Deck. Der Frachter war ein ehemaliges Boot-Hostel. Wir setzen uns oben auf das Sofa und bekommen gastfreundlich ein paar Biere in die Hand gedrückt. Alles ist familiär - rund 80 Leute befinden sich zu der Zeit an Board. Einer davon hat sogar gerade Geburtstag.

Im Laufe der Zeit stoßen immer wieder neue Leute und DJs dazu, die den Weg aus Berlin raus gewagt haben. Auch dabei sind ein paar Jungs, die ich bereits von der Spätiparty am Tag zuvor kennengelernt habe: Bloom User.

Es fängt an leicht zu nieseln - ich beschließe ins Boot zu gehen. Ich steige durch die Eingangstür und betrete das Wohnzimmer - in einer großen Hochparterre Ebene mit Rundsofa tanzen eine Hand voll Frauen zu den Technobeats eines DJs, der von der Küche aus auflegt. Das Boot ist randvoll mit flirrenden Lichtern. Ich gehe weiter runter ins Innere des Frachters - ein langer Flur mit Schiffstapete führt zu den Kajüten, in denen sich Hochbetten und Duschen befinden. Das Boot lädt dazu ein länger zu bleiben. Die DJs scheinen alle professionell gebucht zu sein - einige reisen mit großem Equipment an. Die Stimmung ist ausgelassen und auf der Tanzfläche ist genügend Platz für alle. In Berlin selbst wäre so ein Rave direkt überlaufen und mit Eintritt verbunden, aber nach Spandau raus treibt es nur die harten Raver. Ein Frachter-Rave. Spandau sei Dank.

Aufgrund unseres Pegels und der langen Heimreise beschließen wir noch vor Morgengrauen uns auf den Heimweg zu machen. Auf dem Weg zurück begegnen uns noch einige Freunde, die es dank Bloom auch ins weite Spandau gezogen hat. Am nächsten Tag höre ich von ihnen diverse Anekdoten des weiteren Abendverlaufes. Für manche endete der Frachter-Rave mit Nacktbaden in der Spree. Für uns endete er mit Pommes und Currywurst an der Frankfurter Allee.

Auch gut.